Das Duell “Twitter” vs. “identi.ca” und das Echo

20. August 2008

Heute ist in Kanal14 (@kanal14) ein Podcast zum Thema Microblogging und MBC09 veröffentlicht, das ich das Vergnügen hatte mit Sebastian Keil (@planetsab) aufzunehmen. Netzbürger Brenrhad (@brenrhad) hat daraufhin einen sehr schönen analytischen Artikel geschrieben, in dem er den Podcast kommentiert und seine eigenen Gedanken reflektiert. Robert Basic (@robgreen) nimmt die aktuelle Situation ebenfalls analytisch ins Visier und vergleicht Chancen und Risiken im Duell “Twitter” vs. “identi.ca”: Business-Power gegen Open Source-Power. Vor einigen Tagen auch noch ein Podacst zum Thema von der Gilmor Gang - diesmal mit: Marc Canter, Evan Prodromou, Kevin Marks, und Brad Williams mit Steve Gillmor (@stevegillmor), der sehr aktiv in identi.ca ist.

Die Szene ist in Bewegung geraten. Das ist gut so. Wehret den Anfängen des Monopols.


Meine ersten Erfahrungen mit identi.ca

20. August 2008

Mein erster allgemeiner Eindruck von identi.ca ist positiv. Ein frisches Microbloggingtool, dass erst vor sechs Wochen gelauncht worden ist und dass sich schon jetzt einer kleinen, aber sehr agilen, deutschsprachigen Community erfreuen kann.

identi.ca sieht gut aus, ist übersichtlich und sehr schnell. Der Charme des Produkts liegt aber eigentlich woanders:

  1. identi.ca ist ein Microblogging-Service, der auf der Open Source Software Laconica aus dem gleichen Haus basiert. Mit Laconica kann jeder seinen eigenen Microblogging-Service nach dem Vorbild von identi.ca betreiben.
  2. Alle User auf den weltweiten Laconica Servern können, falls gewünscht, unabhängig von den Servern auf denen sie registriert sind, miteinander kommunizieren. Damit entsteht ein echtes, verteiltes, intelligentes, offenes, serverübergreifendes Microblogging. Das ist ein sehr modernes Konzept. Damit wird auch klar, dass identi.ca kein weiterer Twitter-Clone ist, sondern etwas sehr eigenständiges. Dieses offene Konzept soll in der nahen Zukunft auch auf andere Microblogging-Plattformen ausgeweitet werden, sodass ein grosser plattformübergreifender Microblogging-Raum entsteht. Grossartig.

Und ausserdem gefällt mir, dass die “#hashtags” integriert sind. Dabei aber immer auf Kleinschreibung achten. So wie auch die “@usernamen”. Umlaute gehen in beiden Fällen noch nicht.

identi.ca ist so frisch und jung, dass die wesentliche Entwicklung noch andauert. Wobei das weitere interessante ist, dass diese Entwicklung vollkommen öffentlich und transparent abläuft. Keine Geheimlabors mit grossen versteckten Teams oder Megabudgets. Die Entwickler führen im Gegenteil einen recht lebendigen Dialog mit den Usern. Das macht die Sache mir sehr sympatisch.

Was fehlt noch bei identi.ca?

  1. Direkte Benachrichtigungen (Absolut unabdingbar! Nicht alles muss öffentlich sein.)
  2. Bookmarking von Nachrichten (Ja! Unbedingt. Wichtig.)
  3. Updates und Benachrichtigungen via SMS (Ist das nicht 20. Jahrhundert? Aber viele können ohne SMS anscheinend nicht leben. Naja.)
  4. Reichhaltigeres AJAX-y Interface (Ich finde es momentan nicht schlecht. Es sieht eh moderner aus als bei Twitter.)
  5. Kartenfunktionen (Maps), Anzeige von Usern im Umkreis (sehr cool!)
  6. Cross-post nach Twitter, Pownce, Jaiku, etc. via identi.ca (Manche scheinen darauf zu stehen. Für mich ist sowas nur Spam und alle Kanäle vollmüllen. Aber wer’s nicht lassen kann - Damit geht’s jetzt schon: http://ping.fm/ )
  7. Automatischer Pull von Mitteilungen aus Twitter, Pownce, Jaiku, etc. (Sehr wichtig für Migranten wie mich. Ich würde gerne meine Tweets nach identi.ca immer bringen lassen.)
  8. Facebook Integration (Mir Wurscht, aber vielen anderen nicht.)
  9. Image, Video, Audio in Mitteilungen (nice to have.)
  10. Automatische URL-Kürzung (wichtig!)
  11. Mehrsprachigkeit (identi.ca ist nur auf Englisch - Laconica hat aber ein reichhaltiges Repertoire an Sprachversionen, die demnächst nach und nach freigegeben werden, demnächst auch in Deutsch)

identi.ca wird entwickelt vom kreativen Kopf Evan Prodromou (@evan), unterstützt durch Ken Sheppardson (@kshep). Ein extrem produktives Team, dessen interne Kommunikation öffentlich in identi.ca abläuft.

Dass Evan und Ken alle weiteren offenen Punkte und Aufgaben systematisch anpacken, lässt sich sehr schön in den Meilensteinen und Aufgaben der Entwicklung erkennen, die sie für alle ebenfalls öffentlich nachvollziehbar vom Start des Projekts vor zwei Monaten im Projekt-Managementwerkzeug Trac verwalten. Die Softwareentwicklung läuft in einem atemberaubenden Tempo. Deshalb glaube ich, dass identi.ca binnen kurzer Zeit alle anderen Microblogging-Tools an Funktionalität übertreffen wird. Die Skalierbarkeit bei grösseren Nutzerzahlen allerdings, wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Das ist die wahre Nagelprobe der Software-Architektur. Ein Problem mit dem Twitter seit einiger Zeit massiv kämpft.

Deswegen habe ich mich für identi.ca als meine Microblogging-Plattform entschieden. Ich bin @cemb.

PS: Das ist auch einer der spannenden Themen für den MBC09 - Microblogging Congress 2009. Evan hat zugesagt, zu kommen übrigens.

Update: Podcast über Microblogging und das MBC09 bei Kanal14. Danke Sebastian!


Schulstöckchen: Vier Fragen, eine Anmerkung und bischen mehr

18. August 2008

Jochen Hoff aus Entenhausen wirft mit mächtigen Stöckern um sich. Ich habe mir eine Beule eingehandelt. Also denn, hier sind meine Antworten:

Was war Deine schlechteste Zeugnisnote?

Eine sechs (6) in Latein im ersten Halbjahreszeugnis der fünften Klasse des Gymnasiums. Ich habe mich schlicht geweigert das zu lernen. Dabei ist es auch bis heute geblieben. Leider. Mein Ältester steht dafür aber kurz vor dem Grossen Latinum. Unsere Familie ist grosser Anhänger des verteilten und spezialisierten Wissens, das dann zusammengeworfen wird, wenn man es braucht. Crowdsourcing eben.

Welche Kompetenzen sollte Schule unbedingt vermitteln?

Sollte. Tut es aber nicht. Das Grundwerkzeug, um das Leben zu meistern und zu überleben. Kreativität. Die höchste Intelligenz oder der grösste Fleiss bringen nur oberes Mittelmas hervor. Nur mit der Kreativität gepaart entsteht wunderbares und einmaliges. Doch Kreativität ohne Intelligenz und Fleiss sind dagegen die schlechteste Kombination von allen denkbaren.

Welche Diskussion rund um das Thema Bildung fandest Du in letzter Zeit spannend?

Eher traurig. Fast erschreckend. In Hamburg: Das gesamte Schulsystem. Ohne Aussnahme. Und die Hochschulen gleich mit. Ich verstehe das überaus komplexe Schulsystem in Deutschland nicht. Es ist ein reines Instrument, um die Gesellschaftsklassen zu erhalten.

Wissen bedeutet:

Nur eine Seite der menschlichen Fähigkeiten. Es gehört noch Herzensbildung dazu. Unbedingt. Fifty-fifty. Wir sind keine Roboter.

{So kann man sich täuschen. Dachte der Fragebogen wäre hier zu Ende. Dabei war es nur die zwischengeschaltete Blogwerbung des Werfers. Sorry. es geht weiter. Muss ja.}

Was hat Dich früher motiviert, jeden Tag in die Schule zu gehen?

Ich hatte keine Motivation, ausser meinen Freunden.

Was ist deine liebste Figur aus Comic-, Trick-, Serien-, Literatur- oder Märchenwelt und warum?

Dennis the Menace, Lucky Luke, Biggles und Terry and the Pirates (das habe ich geliebt, die Mädchen sahen darin alle sehr verführerisch aus, tough und aber hübsch), ja und das Phantom natürlich!

Wenn du Kultusminister wärst – was würdest du sofort ändern?

Das komplette zig-teilige auf Welt einzigartige deutsche Schulsystem abschaffen.

Was ist dein Schlusswort zu diesem Bildungsstöckchen?

Ich mochte Schule noch nie. Das ist eine milde Untertreibung. Mein Abitur war am Ende dann jedoch erstaunlicherweise ganz passabel. Ich war insgesamt von der ersten Klasse bis zum Abitur in 13 Schulen. Man glaubt es nicht. Das ist nun das Ergebnis.

Update zur letzten Frage: Doch. Es gibt eine Person, die ich sehr verehrt und geliebt habe als Mensch und als Lehrerin. Meine letzte Deutsch-Lehrerin. Mutig und kreativ. Unkonventiónell. Wir haben mit ihr Texte und Stoff durchgenommen, der sehr ungewöhnlich und anspruchsvoll war. Das hat die Kreativität herausgefordert. Eine ungewöhnliche Lehrerin. Die mit Abstand beste, die ich je hatte. Ich denke an die Stunden gerne zurück.


Zeit für ein MicroBlogging Camp? MicroBlogging Congress? (Updates)

18. August 2008

Ich denke schon. MicroBlogging ist ein starker und wichtiger Trend. Jeden Tag passiert etwas neues. Vom MicroBlogging gehen momentan die stärksten Impulse ins Web. Es geht nicht nur um den Austausch von kurzen privaten Nachrichten im Freundeskreis zum Zeitvertreib, sondern hier entsteht ein Medium, dass auch für die Gesellschaft und die Wirtschaft zahlreiche Anwendungen und Chancen bietet. Ein hochinteressantes Feld. Deshalb glaube ich, würde es Sinn machen, ein Camp oder einen Congress darüber zu machen.

Worüber würden wir sprechen? Was kann dort passieren?

  1. Konzepte wie verteilte, dezentrale und offene Netzwerke,…
  2. Services wie identi.ca, Twitter, Jaiku, Pownce, Plurk,…
  3. Free & Open Software und Frameworks wie Laconica, OpenMicroBlogger,…
  4. Protokolle wie OpenMicroBlogging,…
  5. Kanäle für die Erstellung und Verbreitung wie SMS, E-Mail, Instant Messaging oder Web
  6. Technische Basis-Plattformen wie XMPP,…
  7. Hands-on Workshops und Tutorials zur Installation, Konfiguration, Integration, Betrieb und Optimierung
  8. Anwendungsbereiche aus IT, Technik, Wirtschaft, Politik,…
  9. Applikationen und Add-ons
  10. Offene Panel-Diskussionen über Sinn und Zukunft und mehr

Ich würde versuchen, einige der namhaften internationalen Köpfe dazu zu bekommen. Mit einigen stehe ich in Kontakt. Cross fingers!

Ort und Zeit der Veranstaltung? Hamburg. Ich denke, irgendwann im Januar 2009 vielleicht.

Wieviel Zeit brauchen wir? Zwei Tage? Drei? Wenn ihr das in den gängigen Blogs und Microblogs diskutiert, benutzt einfach den Tag oder Hashtag “MBC09“!

Wer hätte Lust teilzunehmen oder mitzumachen? Erste Reaktion einfach in die Kommentare hier reinschreiben. Wir formalisieren das später. Eine Teilnahmegebühr wird sicher erforderlich werden.

Was meint ihr?

Update: Es heisst jetzt “MBC09 - Microblogging Conference 2009″. Genaues Datum und genauer Ort hängen jetzt von einigen Faktoren ab, auf die ich noch warte. Es findet also statt!

Update 2: Yay!! Evan Prodromou, Kopf von identica wird voraussichtlich beim #mbc09 dabei sein! Super! Da freue mich darauf!


Happy Birthday, Robert De Niro!

17. August 2008

Aus Taxi Driver (1976):

Travis Bickle: [Travis is trying his guns on the mirror] Huh? Huh?
[Draws]
Travis Bickle: Faster than you, fucking son of a… Saw you coming you fucking… shitheel.
[Reholsters]
Travis Bickle: I’m standing here; you make the move. You make the move. It’s your move…
[Draws]
Travis Bickle: Don’t try it you fuck.
[Reholsters]
Travis Bickle: You talkin’ to me? You talkin’ to me? You talkin’ to me? Then who the hell else are you talking… you talking to me? Well I’m the only one here. Who the fuck do you think you’re talking to? Oh yeah? OK.
[Draws]

Für mich der Grösste seiner Zunft.


Interview mit Evan Prodromou, Gründer von identi.ca

16. August 2008

Sehr sehenswertes Video-Interview mit Evan Prodromou, Gründer von identi.ca auf der OSCON 2008. Ein charismatischer und sympatischer Typ. Gefällt mir. Schlusssatz im Interview:

“Beeing the one that shakes up the markets, is a business opportunity, that I don’t think a lot of people cannot afford to miss.”

Evan bloggt gelegentlich auch hier. Da ist auch eine kurze Bio über ihn.


Twitter sieht altbacken aus gegenüber identi.ca (Updates)

16. August 2008

Nach längerer Zeit bin ich heute wieder mal in identi.ca. Es hat sich einiges getan. Ehrlich gesagt, identi.ca sieht besser aus als Twitter. Es ist übersichtlicher und appetitlicher. Und hat mittlerweile fast mehr Funktionen als das Vorbild. Es ist schneller. Es basiert auf Open Source. Ich finde es gut. Sogar deutlich besser jetzt als vor einem Monat.

Frage: Kann man seine Twitter Follower & Friends importieren bzw exportierte hochladen bzw einladen nach identi.ca? Wo ist die Einladungsfunktion? Mmh, fehlt noch.

Update: Drei Minuten nach meiner Anfrage an @identica hat @kshep geantwortet: http://laconi.ca/trac/ticket/76. Kommt in Version 0.6 mit Priorität 1. Sehr cool.

Update 2: Integration mit Twitter: http://laconi.ca/trac/ticket/68 Alle identi.ca Messages eines Users sollen auch an den Twitter-Account des Users gesendet werden. Und alle Twitter-Messages an den User auch in identi.ca. Ping-Pong! Na, das ergibt eine gigantische Schneeballschlacht!

Update 3: Ein Blog zu identi.ca: Oh, Identica! von @MarinaMartin [via @Chris97 von F!XMBR]

Update 4: “#Hashtags” lassen sich direkt anklicken. Sehr schön. Noch keine Direct Messages möglich. Kommt aber noch.

Update 5: TweetScan für identi.ca [via @pierro]

Update 6: Twitter-ish API für identi.ca.


Medien-Twitter-Charts

15. August 2008

Apropos Tageszeitungen und ihre strategischen Ansätze überregional und lokal… Hier sind die Twitter Chart der Medien von 17 deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften. Die deutschsprachigen Medien trauen Twitter noch nicht soi ganz. Magere Follower-Zahlen. Etwas armselig verglichen mit der New York Times  mit 5.875 Follower und 19.705 Updates). Der tagesanzeiger kommt gerade mal auf 11 Follower, aber immerhin 9.846 Updates. Das entspricht stolzen knapp 900 Updates je Follower! Klassenprimus ist, was Updates anbelangt, zeitonline mit aktuell 34.773. Die meisten Follower besitzt weltkompakt mit über 800.

Leute, abonniert mehr deutschsprachige Twitter-Accounts von Tageszeitungen! Die englischsprachigen gibt es bei Twitter gebündelt unter headlinenews.

Mehr Details und Kernaussagen bei medienlese.com.

Übrigens, das “Flaggschiff” des deutschen Journalismus, Der Spiegel und seine Online Schwester, fehlen in den Charts und glänzen durch Twitterabstinenz. Oder täusche ich mich da?


Fluch(t)

12. August 2008

Frédéric Valin hat in Spreeblick eine rätselhafte traurig-schöne Geschichte veröffentlicht: Mimoun. So fängt sie an:

Und irgendwann war er dann hier gestrandet. Hatte seine Sachen in den Flur gestellt und sich aufs Sofa gesetzt. War ja nicht viel da, um in den Flur zu stellen: Zwei Koffer vielleicht, mit den Klamotten drin und einer Zahnbürste, und ein Karton ungewissen Inhalts. Hatte sich gesetzt und sich umgesehen. Und war dann einfach eingeschlafen, so. Geschnarcht hat er nicht, obwohl er doch so viel rauchte. Dafür hat er die Nase krause gezogen, wenn er träumte. [Weiterlesen]


Isaac Hayes: Fragile

12. August 2008

Cover von Stings Original Version. Für Kiki.


Die Gewinner: Blogparade zur Urlaubslektüre

11. August 2008

Jochen Mai hat seine Blogparade zur Urlaubslektüre beendet und die Gewinner verkündet. Bin baff. Habe gewonnen. Dieses Buch. Das eröffnet ja ganz neue Karriere-Perspektiven. Danke, Jochen!


Isaac Hayes

11. August 2008

Isaac Hayes, 1942-2008

Nachrufe in der New York Times und im Guardian.


Das deutsche WordPress Magazin ist online!

10. August 2008

Hey, gut ein halbes Jahr nach dem WordCamp08 in Hamburg und der damaligen Diskussion gibt es nun ein deutsches WordPress Magazin! Grossartig! Valentin Tomaschek hat pragmatisch am Wochenende die Initiative ergriffen und es einfach realisiert. Im ersten zweiten Tweet des Magazins schreibt er:

So, Passwortschutz ist aufgehoben. Nun müssen Blogeinträge her…

Das Online-Magazin enthält schon erste Rubriken für “Blog”, “Tutorials” sowie Hinweise für die Installation und Upgrades. Ich hoffe auf rege Beteiligung der WP-Community, damit sich das Magazin füllt.

Valentin ist der Gründer und Moderator der WordPress Gruppe in Xing. Ich durfte eine Weile co-moderieren und gemeinsam mit ihm und Vladimir Simovic das WordCamp08 organiseren.

Wer Interesse hat, beim deutschen WordPress Magazin mitzuschreiben, meldet sich in der Xing Gruppe hier oder schreibt Valentin direkt.


Das Leben ändert sich

10. August 2008

In den letzten 10-20 Jahren hat sich Leben in der Gesellschaft stark verändert im Vergleich zu den Jahrhunderten davor. Gerade in den vergangenen 5 Jahren hat es nochmal einen starken Veränderungsschub gegeben.

Zwei Trends fallen mir auf. Einerseits die Atomisierung der Gesellschaft in die Einzelnen, andererseits die stärkere Vernetzung der selben Akteure. Das, was Webbies im Netz als neue Avantgarde mit den Sozialen Netzwerken vorführen, kann man ebenfalls ausserhalb des Netzes in technologiefernen Gesellschaftsbereichen beobachten. Auflösung und neue Zusammensetzung in grössere, komplexere Gebilde. Langjährige Partnerschaften oder Freundschaften wandeln sich um in losere, aber umfangreichere Beziehungsgeflechte. Man deckt seine Bedürfnisse nicht bei einigen wenigen ab, sondern sucht und findet sich je nach Einzelaspekten in einem grösseren gesellschaftlichen Raum. Beruflich wie auch privat. Die Stärke der einzelnen Verbindungen im Gefüge wechselt ständig. Aber ohne, dass die Beziehungen wirklich beendet werden.

Die Gesellschaft ist liquide geworden. Wie das Web.

Bekanntschaften, Freundschaften, Liebe, Sex, Partnerschaften, Ehen wie auch Jobs, Aufgaben, Aktivitäten haben eine deutlich kürzere Lebensdauer als früher. Ob das Internet damit zu tun hat, kann ich nicht sagen. Oder ob das Internet der Spiegel der Gesellschaft ist. Wahrscheinlich ist beides nicht ganz falsch. Nicht richtig dagegen, wäre zu behaupten, diese Beziehungen wären dadurch oberflächlicher. Das glaube ich gar nicht. Im Gegenteil. Traditionalisten mögen diese Veränderungen als Bedrohung für sich und für ihre Gesellschaft als Ganzes empfinden. Ich sehe sie als Chance zu einem intensiveren und freieren Leben. Dass daraus Konflikte in der Gesellschaft entstehen, ist verständlich.

Wir leben mittlerweile in einer anderen Welt, als die, in die wir hineingeboren wurden. Und das ist gut so.

Nachtrag: Vergleiche auch komplementär dazu diesen hervorragenden Beitrag des elektrischen Reporters: Clay Shirky über die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet.

Nachtrag 2: Paul hat diese morgendlichen Gedanken in seinem Blog weitergeführt. Seine Überlegungen beziehen sich hauptsächlich auf virtuelle Netzwerke. Unglücklicherweise in Englisch :-) [Irgendwie funktioniert sein Trackback nicht]